Analysephase

Die Analysephase einer Produktion und ihrer Arbeitsplätze
Die Analysephase stellt einen zentralen Schritt in der Planung, Optimierung oder Neugestaltung einer industriellen Produktion dar. Sie dient dazu, bestehende Prozesse strukturiert zu verstehen, Schwachstellen zu identifizieren und die Grundlage für Verbesserungsmaßnahmen oder technische Investitionen zu schaffen. Dabei werden nicht nur Material- und Informationsflüsse untersucht, sondern vor allem die organisatorischen, personellen und ergonomischen Bedingungen der Arbeitsplätze.
Ziele der Analysephase
Das Hauptziel besteht darin, die reale Situation möglichst vollständig und präzise abzubilden. Dazu gehören:
– Transparenz über Abläufe und Verantwortlichkeiten
– Identifikation ineffizienter Schritte oder Engpässe
– Bewertung von Ressourcen, Taktzeiten und Auslastungen
– Erkennen ergonomischer Risiken oder Fehlbelastungen der Mitarbeitenden
– Grundlage für Optimierung, Automatisierung oder Digitalisierung schaffen
Methodische Vorgehensweise
Die Analysephase gliedert sich typischerweise in mehrere Schritte:
1. Datensammlung
Zu Beginn werden alle relevanten Produktionsdaten erhoben. Dazu zählen Stückzahlen, Durchlaufzeiten, Ausschussquoten, Störungen, Rüstzeiten und Materialverbräuche. Die Informationen stammen aus Produktionssystemen, Maschinensteuerungen, Kennzahlenberichten oder direkt von Mitarbeitenden.
2. Arbeitsplatzbeobachtung
Vor-Ort-Begehungen am Shopfloor sind essenziell. Durch Beobachtung realer Arbeitsabläufe lassen sich Unterschiede zwischen Soll-Prozess und tatsächlicher Durchführung erkennen. Hierbei kommen Methoden wie REFA-Analyse, MTM oder Wertstromanalyse zum Einsatz.
3. Interviews und Workshops
Mitarbeitende sowie Schicht- und Teamleiter werden bewusst einbezogen. Sie kennen alltägliche Herausforderungen, improvisierte Lösungen und potenzielle Risiken. Durch Workshops können Ursachen für Probleme tiefergehend beleuchtet werden.
4. Prozess- und Materialflussanalyse
Die gewonnenen Daten werden genutzt, um den Produktionsfluss grafisch darzustellen. Wertstromkarten, Layoutzeichnungen und Transportwege zeigen, wie Materialien die Produktion durchlaufen, wo Wartezeiten entstehen oder Arbeitsplätze ungünstig verteilt sind.
5. Ergonomie- und Sicherheitsprüfung
Moderne Produktionsanalysen berücksichtigen verstärkt die physische und kognitive Belastung. Dazu gehören:
– Greifwege und Bewegungsumfänge
– Körperhaltungen und Heben schwerer Lasten
– Lärm- und Lichtverhältnisse
– Potenzielle Gefahrenquellen
6. Bewertung der IT- und Informationssysteme
Produktionsplanung, Rückmeldungen und Dokumentationen werden geprüft. Medienbrüche oder manuelle Dateneingaben verursachen Fehler und Zeitverluste und können Ansatzpunkte für Digitalisierung bieten.
Ergebnisse der Analyse
Am Ende steht ein detailliertes Bild der Produktionsrealität. Typische Resultate sind:
– Dokumentierte Prozesse und Arbeitsinhalte
– Messbare Kennzahlen zu Zeit, Qualität und Ressourcenverbrauch
– Priorisierte Problemfelder
– Erste Verbesserungsideen einschließlich Machbarkeitsabschätzung
– Empfehlungen zur Arbeitsplatzgestaltung, Automatisierung oder Qualifizierung
Bedeutung für die weitere Planung
Die Analysephase stellt sicher, dass alle folgenden Entscheidungen auf realen Daten beruhen – nicht auf Vermutungen. Sie verhindert teure Fehlplanungen und sorgt dafür, dass Veränderungen sowohl technisch sinnvoll als auch arbeitsplatzgerecht umgesetzt werden. Besonders in Zeiten von Industrie 4.0 bildet sie die Schnittstelle zwischen humaner Arbeit, leanen Prozessen und digitaler Transformation.
